Art 5 GG:

Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt."

Das Presse-Grosso in Deutschland ist seit jeher diesem Grundsatz der Pressefreiheit verpflichtet. Dabei fällt dem Presse-Grosso als Bindeglied zwischen Verlagen Einzelhandel eine bedeutende Rolle zu, da sie durch eine tägliche, unabhängige Verteilung von Presseerzeugnissen aller Art die Pressefreiheit garantieren.

Allgemeines

Aktuelle Information und Unterhaltung in Form von Zeitungen, Zeitschriften und anderen Druckerzeugnissen ist bei uns zur täglichen Selbstverständlichkeit geworden. Was auch immer auf der Welt passiert, gedruckt liegt es in kürzester Zeit beim Händler zum Lesen bereit. Haben Sie sich schon einmal Gedanken gemacht, welche Branche, welches Vertriebssystem diese Leistung erbringt?

Der Pressegroßhandel bezieht seine Ware von den Verlagen und liefert diese an den Einzelhandel. Groß- und Einzelhandel sind das Bindeglied zwischen Verlagen und dem Leser.

Das Presse-Grosso ist zwar der bei weitem bedeutendste, nicht aber der einzige Vertriebsweg für Presseprodukte. Zeitungen und Zeitschriften werden in Deutschland über folgende Absatzwege angeboten: Pressegroßhandel, Bahnhofsbuchhandel, Werbender Buch- und Zeitschriftenhandel, verlagseigenes Abonnementgeschäft und Lesezirkelunternehmen. Der Pressegroßhandel repräsentiert mit einem Marktanteil von ca. 54 % den dominierenden Vertriebskanal.

64 Presse-Grossisten versorgen in Deutschland mehr als 118 Tsd. Verkaufsstellen als stationäre Verkaufsstellen und ambulante Händler. Der Branchenumsatz (in Nettoabgabepreisen an den Einzelhandel) liegt bei rund 2,475 Mrd. €. Die belieferten Einzelhandelsbetriebe gehören den unterschiedlichsten Geschäftsarten an: vom Kiosk über das Pressefachgeschäft bis hin zum Verbrauchermarkt.

Für die bundesweite Belieferung aller Presse-Einzelhändler legen die Grosso-Auslieferungsfahrzeuge täglich etwa 357.000 km zurück, d.h. bei durchschnittlich etwa 300 Verkaufstagen rund 107 Millionen km pro Jahr.

Presse-Großvertriebe sind mittelständisch geprägte Unternehmen die mit einem Sortiment von über 4.000 Titeln handeln. Die Sortimentsvielfalt kann man sich unter der Rubrik Presseprodukte und Links in einem virtuellen Presseregal einmal anschauen. Dabei wird man feststellen, dass gerade die heutigen elektronischen Medien einen guten Überblick über das besonders reichhaltige Presseangebot, die Pressevielfalt, verschaffen.

Im Gegensatz zum vielfach bekannten, herkömmlichen Großhandel in anderen Branchen zeichnet sich der Pressegroßhandel in seiner Funktion durch mehrere Besonderheiten aus.

Alleinauslieferung
Die Verlage haben die Vertriebsrechte ihrer Objekte jeweils für ein bestimmtes, von ihnen festgelegtes Territorium in der Regel einem Grossounternehmen in Alleinauslieferung übertragen.

Pressevielfalt
Im freien Wettbewerb hätten nur Produkte mit großer Leserschaft bessere Marktchancen. Deshalb würden viele kleinauflagige Zeitschriften aus dem Markt gedrängt, man denke z.B. an Wirtschaftsmagazine oder Computerzeitschriften. Das Presse-Grosso nimmt mit einem Sortiment von über 4.000 Titeln den ihm in Artikel 5 des Grundgesetzes [freie Meinungsäußerung] erteilten Auftrag wahr, aktiv Pressefreiheit zu realisieren.

Neutralität
Der Pressegroßhandel wird durch das ihm von den Verlagen übertragene Gebietsmonopol qua Definition zum marktbeherrschenden Unternehmen im Sinne des Kartellrechts ( § 26 II GWB = Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen). Der Grossist muss sowohl alle Verlage als auch alle durch ihn belieferten Einzelhändler prinzipiell gleichbehandeln. Das Presse-Grosso stellt den freien Marktzutritt aller Anbieter sicher und sorgt für die Überallerhältlichkeit (Ubiquität) von Presse.

Logistik
Die Auslieferung von Presse unterliegt oftmals strengen zeitlichen Restriktionen. Eine Vielzahl aktueller Tageszeitungen oder Zeitschriften muss in großen Stückzahlen nachts binnen kürzester Zeit zu Sendungen zusammengestellt (kommissioniert) und anschließend noch vor Ladenöffnung zu den Kunden gebracht werden. Ein anderes Logistikproblem geben geringste Mengen kleinauflagiger Objekte auf, die mit relativ hohem Aufwand ebenfalls bis zum Leser transportiert werden. Der Presse-Großhandel muss täglich aufs neue versuchen, die ihm gestellten, teils gegensätzlichen Anforderungen in Einklang zu bringen und eine Lösung zu organisieren, die betriebswirtschaftlich, logistisch und ökologisch eine optimale Belieferung des Einzelhandels bedeutet. Auch bei der Einholung der nicht verkauften Exemplare (Remission) erbringt das Grosso eine Logistikspitzenleistung.

Remissionsrecht
Das Rückgaberecht unverkaufter Exemplare gegen Gutschrift zum Einkaufspreis gilt für beide Handelsstufen. Es bewirkt eine ausreichende Bevorratung über verkaufssichere Mengen hinaus, so dass keine Unterversorgung mit Information entsteht. Der Großhandel beobachtet und steuert die Liefermengen seiner Kunden auf Basis der von den Verlagen vorgegebenen Remissionsquoten, die mit den aktuellen Verkaufszahlen abgeglichen werden. Zwar trägt der Verlag letztlich das Absatzrisiko für seine Produkte, doch belasten Rückführungs- und Bearbeitungskosten der Remission die Handelsstufen in erheblichem Umfange.

Preisbindung
In Deutschland kann jeder Bürger allerorts Presseerzeugnisse zum gleichen Preis erwerben. Die Verlage legen sowohl die Abgabepreise vom Groß- zum Einzelhandel fest, als auch die Endverkaufspreise zwischen Einzelhandel und Konsumenten. Die Preisbindung ist vor allem unter kultur- und informationspolitischen Aspekten bedeutsam. Presseprodukte sollen der Preisspekulation entzogen werden. Selbst ein hoher Knappheitsgrad eines Presseerzeugnisses - beispielsweise durch hochbrisante und für die Bevölkerung somit äußerst wichtige Meldungen erzeugt - führt nicht zu einer Preiserhöhung.

Gebundene Preise verhindern nachfrageunabhängige und unkalkulierbare Verkaufsverlagerungen von einer Verkaufsstelle zu anderen. Preisnachlässe im Einzelhandel würden nachteilige Ausstrahlungen auf die Leserschaft bewirken. Lebensmittel-Großmärkte wären beispielsweise in der Lage, über ihre Mischkalkulation Presseerzeugnisse als Zusatzsortiment spektakulär billig anzubieten, wohingegen Fach-Einzelhändler mit einem sehr breiten Sortiment Wettbewerbsnachteile erleiden müssten. Dieser an sich legitime Vorgang würde insofern eine Beeinträchtigung der Informationsfreiheit nach sich ziehen, als eine Ausdünnung des lückenlosen Angebotsnetzes für Presse, zumindest in ländlich strukturierten Gebieten, abzusehen wäre.

Dispositionsrecht
Als primärem Risikoträger für das Absatzrisiko kommt dem Verlag das originäre Dispositionsrecht zu. Mit der Übertragung der Vertriebsrechte auf den Grossisten entsteht für diesen allerdings ein abgeleitetes Dispositions-recht. Bei dessen Ausübung hat der Großhandel zwei Interessen gerecht zu werden: Der Verlag hat eine bestimmte Vorstellung über die Attraktivität und das Absatzpotential seines Produktes, wonach er auch die Auflage bestimmt. Der Einzelhandel vermittelt hingegen die Marktnähe zum Endverbraucher. Legt der Grossist nun die Abnahmemengen des Einzelhandels fest, so orientiert er sich am Grundsatz der Angemessenheit. Die Disposition bemisst sich an der Umsatzgruppe der Verkaufsstelle und der Schwankungsbreite beim Verkauf des Objekts.

Gebiets- und Verwendungsbindung
Der Grossist darf nur innerhalb der ihm vom Verlag vorgegebenen Grenzen an Einzelhändler vertreiben (Gebietsbindung). Diese wiederum sind ihrerseits gebietsbezogen tätig und müssen die vorgegebenen bundesweiten Erstverkaufstage der unveränderten Presseerzeugnisse gegenüber den Endverbrauchern einhalten.

FAZIT

Das Pressegrosso hat sich in seiner Vertriebsstruktur seit sechs Jahrzehnten bewährt. Dabei ist die Branche so flexibel und schnellebig geblieben, wie die Güter, die sie vertreibt. Mehrmalig wurde der Presse-Großhandel in der Ausübung seines aus der Verfassung ("Pressefreiheit") abgeleiteten Auftrages höchstrichterlich bestätigt. Dies und die Sonderstellung der Presse verpflichten den Grossisten, betriebswirtschaftliches Denken sowie medienrechtliche und -politische Erfordernisse in Einklang zu bringen. Hohe Leistungsvorgaben und festgelegte Handelsspannen von der Lieferantenseite - der im Verhalten gegenüber kleinen Verlagstiteln und umsatzschwachen Verkaufsstellen zum Ausdruck kommt - und die angeführten Besonderheiten, bringen in einem hohen Maße Verpflichtungen. Das Marktverhalten eines Presse-Grossisten orientiert sich an den Regeln des Wettbewerbs in der Erfüllung eines gemeinwirtschaftlichen Auftrages.

Quelle: Bundesverband Presse-Grosso